Ergänzender Artikel zu:
Machtloser Posamenterverband

Posamenter sind Einzelgänger

Bemühungen, die Posamenterinnen und Posamenter zu organisieren, hatte es schon mehrfach gegeben, doch auf Dauer waren die Versuche nie von Erfolg gekrönt gewesen, weil sich die Posamenter nicht leicht zu einem gemeinsamen Vorgehen verpflichten liessen. Erstens kamen sie nicht wie die Fabrikarbeiterschaft täglich am selben Ort zusammen, wo sie sich über ihre Lage austauschen und beraten konnten. Zweitens zeichneten sich viele Posamenter durch ein mittelständisches und patriarchalisches Bewusstsein aus: Sie waren zwar in hohem Masse vom Gang der Seidenbandweberei und von den Verlegern abhängig. Da sie aber meist über Landbesitz verfügten, Arbeitszeit und -tempo selbst bestimmten und in der Familie das Sagen hatten, konnten sie sich dennoch als Herren ihrer selbst empfinden. Die Notwendigkeit, sich auf Dauer zusammenzuschliessen, erkannten sie erst spät, als sie die Erwartungen, die sie an die Elektrifizierung ihrer Stühle geknüpft hatten, enttäuscht sahen.(1) Ihrer patriarchalischen Haltung entsprach, dass der Posamenterverband nur Männer organisierte, obwohl die Posamenterei überwiegend Frauenarbeit war, während sich die männlichen Haushaltsvorstände dem Bauern oder einer andern Verdienstarbeit zuwandten.

(1) Fritz Grieder: Glanz und Niedergang der Baselbieter Heimposamenterei im 19. und 20. Jahrhundert, Liestal 1985, S. 173-176

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