Ergänzender Artikel zu:
Machtloser Posamenterverband

Freidorf beim Schänzli in Muttenz

Hinter dem Arbeiterwohnungsprojekt Freidorf in Muttenz steckte die Absicht, die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Angestellten vom Alkohol und vom Wirtshaus weg zu einem geordneten Leben zu bringen. In der Zeit nach dem Landesstreik von 1918 reifte in den Kreisen des Verbandes der Schweizerischen Konsumvereine (VSK) die Idee, eine genossenschaftliche Mustersiedlung zu bauen. Die vom Architekten Hannes Meyer geplanten und ausgeführten Bauten trafen sich mit den Vorstellungen der Auftraggeber. Im Freidorf sollte mehr entstehen als nur eine Siedlung. Die Überbauung sollte als Gegenstück zum bürgerlichen Leben, zu Konkurrenzverhalten und Überfluss Schule machen. Deshalb lag dem Freidorf auch mehr als nur die bauliche Idee zugrunde. Grund und Boden gehörten der Genossenschaft. Strenge Vorschriften regelten das Zusammenleben. Die zweite Besonderheit bestand in der «Erfassung der Sparkraft». Die «Batzensparkasse» des Dorfes sollte allen zeigen, wie «aus wenigen Rappen in kurzer Zeit Reichtum entsteht». Das Freidorf war ein Pilotunternehmen und fand weit über architektonisch interessierte Fachkreise hinaus Anerkennung. Allerdings galten die Siedlungsbewohnerinnen und -bewohner des Freidorfs als kauzige, abweichende Gesellinnen und Gesellen. Doch im Ort Muttenz sprach man von den Freidörflerinnen und Freidörflern als von den Besseren.

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