Ergänzender Artikel zu:
Elektrifizierung und Selbsthilfe

Mobiler Lebensstil

Am 28. August 1998 bestieg der 20-jährige Martin G. in Basel ein Tram. Der in Rünenberg aufgewachsene Student der Theologie wohnte bei einer Schlummermutter in einer möblierten Bude. Jetzt kehrte er übers Wochenende in sein Elternhaus zurück. Am Bahnhof wartete der Regionalzug bereits. 28 Minuten später erreichte der junge Mann Gelterkinden, wo er in das Postauto umstieg. Eine gute Stunde nach seinem Aufbruch kam Martin G. in Rünenberg an. Er hätte auch mit dem Auto täglich nach Basel pendeln können. Martin G. ist ein erfundenes Fallbeispiel, um den Unterschied zum realen Martin Birmann deutlich zu machen. Dieser studierte 1849 in Basel Theologie, stammte aus Rünenberg und bewohnte im Haus seiner späteren Adoptivmutter ein Zimmer. Auch Martin Birmann war mobil. Aber seine Mobilität beschränkte sich auf Distanzen, die er zu Fuss bewältigen konnte: «Am Anfang seines Stadtlebens nahm er jeden Samstagnachmittag den Weg unter die Füsse und lief sechs Stunden weit in sein Dorf; am Sonntagnachmittag dann wieder nach Basel zurück.»(1) Eine Kutschenfahrt wäre zu teuer gewesen. Das Mitfahren auf Fuhrwerken war nur ausnahmsweise möglich. Die Wahl zwischen dem Wohnort Rünenberg und Basel hatte Martin Birmann nicht. In den Neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts hingegen war Mobilität bequem und rasch über grosse Distanzen möglich. Das Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort, die beim Übergang von traditionellen zu modernen Wirtschaftsformen auseinander getreten sind, war alltäglich geworden.

(1) Martin Birmann: Lebensbild. Blätter der Erinnerung, Liestal 1990, S. 52-53

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