Ergänzender Artikel zu:
Beziehungen zwischen Stadt und Land

Franzosenfurcht und Kriegstourismus

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebten Baselbieterinnen und Baselbieter zweimal einen Krieg in unmittelbarer Seh- und Hörweite. Der untere Kantonsteil und das damals bernische Laufental grenzten an Krieg führende Nationen. Die Kampfhandlungen griffen zwar, abgesehen von Bombeneinschlägen, nicht aufs Baselbiet über, im Alltag wirkte sich der Krieg jedoch vielfältig aus. Bei Kriegsbeginn 1914 befürchtete die Bevölkerung nicht nur in Basel, sondern auch im Leimental und im Birseck, dass fremde Truppen über die Grenze hereinbrechen könnten. Ängste riefen nicht in erster Linie Gerüchte über Vorstösse der Deutschen hervor. Verbreitet war zu Kriegsbeginn die so genannte Franzosenfurcht. Dies hing damit zusammen, dass im Baselbiet, wie in der gesamten deutschen Schweiz, Sympathien für das Deutsche Reich vorherrschten. Die Verlegung der Schweizer Truppen an die Grenze als Reaktion auf die Kriegshandlungen im Elsass im August 1914 sowie das Vorstossen der französischen Armee Richtung Süddeutschland verunsicherten die Bevölkerung in den grenznahen Gebieten und veranlassten sie, die Flucht vorzubereiten. Gleichzeitig beobachteten Schaulustige die Kämpfe von den Hügeln rings um Basel herab oder spazierten in die Gemeinden, die Soldaten beherbergten. Allschwil erlebte in Phasen mit Kriegsgeschehen in der Nähe einen eigentlichen Kriegstourismus. Akustisch war der Krieg nicht nur an der Grenze, sondern im ganzen Baselbiet und in weiten Teilen der Schweiz präsent.(1)

(1) Ruedi Brassel: Erfahrungen von Krieg und Frieden im Baselbiet im 20. Jahrhundert, Manuskript Forschungsstelle Baselbieter Geschichte 1998, S. 12ff.; Leo Zehnder: Allschwil zur Zeit des Ersten Weltkrieges 1914-1918, Allschwil 1986, S. 12ff.

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