Ergänzender Artikel zu:
Beziehungen zwischen Stadt und Land

Kein Armenkanton

«Man muss wirklich die auf den Tabellen angegebenen Gründe der Verkümmerung jener bemitleidenswerthen und laut nach Hilfe rufenden Kinder gelesen haben, um den Grad der Nothwendigkeit, dass hier Hülfe geschaffen werden muss, erkennen zu können.» So tönte es im ersten Rechenschaftsbericht des Armenerziehungsvereins von Baselland im Jahre 1851.(1) Trotz des flammenden Appells: Baselland war kein ausgesprochener Armenkanton. Der Armenerziehungsverein errechnete für 1845 453 Kinder und Jugendliche, welche auf Kosten der Gemeinden verkostgeldet wurden. Um 1870 bewegte sich die Zahl noch immer ungefähr auf der gleichen Höhe. Baselland lag damit im schweizerischen Vergleich auf dem siebten Rang.(2) Die anklagenden Schriften und Verlautbarungen der Armeninspektoren, der Pfarrherren und Behörden sind denn vor diesem Hintergrund immer auch als Absichtserklärungen zu verstehen. Sie schilderten die Zustände möglichst drastisch, damit ihre «Hülfe» umso erleichterter zur Kenntnis genommen wurde. Armut, das war zwar für das 19. Jahrhundert kein neues, unbekanntes Problem. Mit der Ablösung des Ancien Régime und der alten Abhängigkeiten waren jedoch für die Bekämpfung der Armut neue Lösungen gefordert. So bedauerte der Armenerziehungsverein noch 1875, dass die landwirtschaftliche Armenschule vor den Toren Basels, «welche aus städtischen Mitteln für landschaftliche Kinder gegründet worden war», nicht mehr existierte.

(1) Basellandschaftlicher Armenerziehungsverein (Hg.): 1848-1973. 125 Jahre Basellandschaftlicher Armenerziehungsverein, Liestal 1973, S. 15

(2) Christa Gysin-Scholer: Krank, allein, entblösst, Liestal 1997

 

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