Ergänzender Artikel zu:
Beziehungen zwischen Stadt und Land

Bahnboykott

Kurz vor Weihnachten 1950 gab die Direktion der Birsigtalbahn bekannt, dass auf den 1. Januar 1951 eine Tariferhöhung bei Abonnementen vorgesehen sei.(1) Die Erhöhung betrug teilweise über 40 Prozent. Besonders hoch waren die Aufschläge im hinteren Leimental. Das empfanden zahlreiche Kunden, die auf dem Land wohnten und in der Stadt arbeiteten, als Zumutung. Bereits am dritten Tag des neuen Jahres trat in Ettingen eine Protestversammlung von 200 Personen aus elf Gemeinden zusammen, zu der ein spontan gebildetes Komitee mit Flugblättern aufgerufen hatte. Man forderte die Direktion der Bahn auf, die Tariferhöhung zu reduzieren, und wählte eine Kommission für Verhandlungen. Obwohl sich in den folgenden Wochen auch die Gemeinderäte der meisten Leimentaler Dörfer dem Protest anschlossen, blieb die Bahnverwaltung unnachgiebig. In verschiedenen Gemeinden fanden weitere Versammlungen statt. Das Komitee der Bahnbenutzerinnen und -benutzer traf parallel dazu Vorbereitungen zum Boykott. Die Birsigtalbahn zeigte sich aber nur zu einem begrenzten Entgegenkommen bereit, was dem Boykottkomitee nicht genügte. Ab Montag, 26. Februar 1951, boykottierte ein Teil der bisherigen Kunden die Bahn. Sie benutzten eine Extra-Autobuslinie von Biederthal nach St-Louis zur Landesgrenze. Ab St-Louis übernahmen die Trams der Basler Verkehrsbetriebe den Weitertransport. Nach mehreren Wochen verständigten sich dann Birsigtalbahn und Boykottkomitee über tiefere Tarifaufschläge und der Boykott wurde abgebrochen.

(1) Ruedi Epple: Basel-Landschaft in historischen Dokumenten, Band 5, Liestal 1998, S. 351-361

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