Ergänzender Artikel zu:
Beziehungen zwischen Stadt und Land

Mit dem Velo zur Arbeit

Während mehrerer Wochen boykottierten Anfang 1951 die Kunden und Kundinngen der Birsigtalbahn ihr Verkehrsmittel. Der Grund lag bei unerwarteten und massiven Tariferhöhungen. Ein Reporter, der den Boykottbetrieb aus der Nähe verfolgte, traf in den vom Boykottkomitee angemieteten Bussen auf eine aufgeräumte Stimmung, wie man sie von Vereinsreisen kennt. Die Frauen und Männer sangen die Melodie des Liedes «Mir fahre mit der SBB» mit neuem Text als Boykottlied.(1) Einzelne Spassvögel sorgten mit Witz und Sprüchen für Kurzweil. Boykotteure, die näher bei der Stadt wohnten, wechselten auf das Velo und radelten direkt in die Stadt oder fuhren ins Birstal hinüber, wo ihnen die Birseckbahn zur Verfügung stand. In Therwil zum Beispiel besammelten sich die Boykotteure und fuhren in langen Zweierkolonnen gemeinsam nach Basel. Die Velofahrer, die sich zum Boykott bekannten, waren an den blau-weissen Wimpeln zu erkennen, die ihnen das Komitee zur Finanzierung seiner Auslagen verkauft hatte. Selbst die herrenlosen Essenskörbe und Blechnäpfe, welche viele Leimentaler Hausfrauen jeweils der letzten Bahn vor Mittag mitgegeben hatten, blieben aus. Die Männer, welche die Körbe und Stapelgeschirre bisher an der Heuwaage in Empfang genommen hatten, assen nun anderswo. Die Baracke, die ihnen in der Nähe der Basler Endstation als Unterkunft zur Verfügung stand, war einige Zeit praktisch verwaist.

(1) Basellandschaftliche Zeitung, 8. März 1951

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