Ergänzender Artikel zu:
Beziehungen zwischen Stadt und Land

Überforderte Vororts-Gemeinden

«Es waren Arbeiterfamilien mit vielen Kindern aus sehr bescheidenen Verhältnissen, die vor den Toren der Stadt Basel ein Heim suchten und suchen mussten, um ihre Arbeit und ihr Auskommen in der nahen Stadt zu finden. Die Stadt erhielt dadurch den Arbeiter, der Vorort den Bewohner. Die Vorortsgemeinden wurden durch diese Verhältnisse vor harte Aufgaben gestellt. Die Armenlasten wuchsen ins Unermessliche und gingen über die Kräfte der Gemeindewesen hinaus. Fast alljährlich lagen Gesuche um Klassenvermehrung vor, und alle paar Jahre wurde der Ruf nach weiteren neuen Schulhäusern laut. Jene Zeiten riesiger Entwicklung brachten den Gemeindewesen derart schwere Lasten, dass wiederholt ihre Existenz in Frage gestellt wurde.»(1) Drastisch brachte 1930 Landrat Rudolf Scheibler die Situation der überforderten Gemeinden zum Ausdruck. Scheibler war Gemeindeverwalter in Birsfelden und hatte täglich mit dem so genannten Vorortsproblem zu tun. Unter dem Druck der Vororte, der Parteien und der im unteren Kantonsteil weit verbreiteten Sympathien für die Wiedervereinigung mit dem sozialpolitisch fortschrittlichen Nachbarkanton Basel-Stadt bauten die kantonalen Behörden die Sozialpolitik aus: zuerst mit der obligatorischen Arbeitslosenversicherung, dann mit der Gemeindehilfe, welche den Gemeinden über finanzielle Engpässe hinweghalf. Die Ausgaben des Kantons für die soziale Wohlfahrt stiegen rasant an. In den 1920er-Jahren lagen sie unter einer Million Franken pro Jahr, 1945 betrugen sie weit über fünf Millionen Franken.(2)

(1) ‹Landschäftler› vom 3. Februar 1930

(2) Felix Auer: Der Staatshaushalt des Kantons Basel-Landschaft, in: Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 1964, S. 466

 

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